| Bibel und Literatur – eine kleine Gottesdienstreihe am Mittwochabend
Der christliche Glaube lebt von Geschichten. Er lebt vom Erzählen und Hören. Er lebt davon, daß die Geschichten und Bilder des Glaubens, wie wir sie in der Bibel vorfinden, nicht einfach „Text“ bleiben, sondern in unsere Welt hinein wirken, dabei aber diese Welt überschreiten, neue Horizonte eröffnen, den Alltag durchbrechen und unsere Empfindungen weit aufspannen. Die Geschichten des Glaubens überschreiten Grenzen, sie zeigen bisher Unbekanntes und Unerwartetes, sie lassen scheinbar längst Vertrautes in einem neuen Licht erscheinen.
Das alles haben diese Geschichten allerdings auch mit guter Literatur gemein. Auch sie kann, egal ob Klassiker oder Kriminalroman, ob hochkulturell oder scheinbar trivial, uns in andere Welten entführen, unseren Blick erweitern, unsere Seele erfreuen oder verstören. Es kann deshalb reizvoll sein, Literatur und Religion, Romane und biblische Texte miteinander in Beziehung zu setzen. Die Brechungen und Spiegelungen, die biblische Geschichten in klassischer wie moderner Literatur erfahren, können zeigen, welche Dynamik dem Erzählen inne wohnt. Eine solche Begegnung könnte zeigen, daß es auch beim Glauben weniger um Lehren, als um’s Leben – und nicht zuletzt – um`s Erzählen geht.
Eine kleine Folge von „Literaturgottesdiensten“ – mit biblischen und literarischen Texten, mit Orgelmusik und Liedern – soll dieser Beziehung zwischen Bibel und Literatur, zwischen Glaube und Erzählen nachgehen, jeweils einmal im Monat bei einem Gottesdienst am Mittwochabend um 19 Uhr.
Theodor Fontane: Effi Briest
Fontanes 1896 erschienener Roman „Effi Briest“ gehört zu den Klassikern der Literatur des 19. Jahrhunderts. Effis tragisches
Schicksal ist nicht zuletzt darin begründet, dass unbarmherzige gesellschaftliche Konventionen über christlich-biblische Werte gestellt werden.
Dr. Christian Nottmeier
|