Gott spricht: "Siehe, ich mache alles neu."
Die Jahreslosung aus der Offenbarung des Johannes (21,5) ist eine starke Verheißung: Gott macht alles neu. Er schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. Diese Worte wecken in mir eine tiefe Sehnsucht. Vieles in unserer Welt scheint festgefahren. Der Ton in politischen Diskussionen ist oft rau und hasserfüllt, und in vielen Kriegen gibt es noch immer keine Lösungen. Wichtige Themen wie Klimaschutz und gerechte Umverteilung geraten immer mehr aus dem öffentlichen Blick. Oft wünsche ich mir eine Art „Reset-Taste“, die all das stoppen und uns zum Wesentlichen zurückbringen würde. Aber dann fällt mir ein: Echte Erneuerung passiert nicht durch einfache Neustarts. Wahre Erneuerung wächst aus der Rückbesinnung auf grundlegende Werte: den Hungrigen zu essen geben, niemandem Gewalt antun, den Nächsten lieben und in jedem Menschen Gott selbst erkennen. Erneuerung bedeutet auch, die eigene Arbeit zu hinterfragen: Passt sie noch zu den Herausforderungen der Zeit? In unseren Wilmersdorfer Kirchengemeinden setzen wir uns genau mit dieser Frage auseinander. Wie können wir mit unseren Kräften am besten haushalten und unsere Angebote so gestalten, dass sie auch Menschen über die Gemeindegrenzen hinaus ansprechen? Wir wünschen Ihnen allen ein gesegnetes neues Jahr voller Aufbrüche und Erneuerung.
Eckhard Röhm
Neujahrsglück
Liebe Gemeinde,
liebe Leserinnen und Leser,
"Neues Jahr, neues Glück"
Ein Versprechen für das kommende Jahr kann und will ich nicht geben. Was ich aber versprechen kann: Unser Newsletter geht einen weiteren Schritt nach vorn. Ab diesem Monat wird er zusätzlich auch per E-Mail erhältlich sein. Noch braucht es ein wenig Geduld – ein paar technische Dinge müssen eingerichtet werden –, doch spätestens ab Februar soll der Newsletter dann pünktlich zum Monatsanfang im Postfach landen.
Die Weichen dafür hat bereits der vorige Gemeindekirchenrat gestellt. Mit dem Beschluss, künftig mehr Ressourcen für den digitalen Auftritt und die Verwaltung bereitzustellen, entsteht Raum für Neues. In den kommenden Monaten wird sich daher nicht nur der E-Mail-Newsletter etablieren, auch unsere Website wird sich Schritt für Schritt weiterentwickeln.
Vor uns liegt ein spannendes Jahr in der Aue. Zugleich lohnt ein kurzer Blick zurück: Viele Ideen sind im vergangenen Jahr entstanden oder weitergedacht worden – manches davon wird seine Wirkung erst in den kommenden Jahren entfalten. Dazu gehört auch die Regionalisierung unserer Gemeinde, die bei der Gemeindeversammlung ein zentrales Thema war. Sie fordert uns heraus, eröffnet aber zugleich neue Perspektiven für Zusammenarbeit, Austausch und gemeinsames Gestalten über Gemeindegrenzen hinweg.
Deutlich spürbar ist schon heute, wie vielfältig und lebendig unsere Gemeinde ist. So viele Veranstaltungen wie lange nicht mehr haben stattgefunden, und sie wurden durchweg gut, oft sogar besser als erwartet, besucht. Das macht Mut und Lust auf mehr.
Auch für dieses Jahr laufen die Planungen bereits: Das Osterfeuer steht an – hier sind wir wieder dringend auf Holzspenden angewiesen –, das Sommerfest wird vorbereitet, und natürlich darf auch das Public Viewing zur Fußball-WM nicht fehlen. Gerade solche Veranstaltungen werden besonders von der modernisierten Saaltechnik profitieren, die Begegnung, Gemeinschaft und gute Stimmung noch besser möglich macht.
Wir freuen uns auf viele Begegnungen in der Aue – und hoffen, Sie und Euch bei der einen oder anderen Veranstaltung persönlich zu sehen.
Herzliche Grüße aus der Aue!
Florian Pluntke
4. Januar, nach dem Gottesdienst
Auenkirche
Nach dem Gottesdienst lädt die Gemeinde herzlich zum Neujahrsempfang ein. Gemeinsam stoßen wir auf das neue Jahr an, kommen ins Gespräch und beginnen 2026 in fröhlicher und offener Atmosphäre. Alle sind willkommen!
School Of Blues
16. Januar ab 19 Uhr
Auenkeller
Drei Formationen aus dem Kreis der Schüler Jan Hirte’s huldigen der Blues-Musik. Als Opener gastiert eine eigens für den Abend zusammengestellte Combo bestehend aus Jan Hirte, Jörg Allemann, Wilfrid Kettler, Carlos Dalelane und Igor Prjahin. Danach heizen euch die beiden Blues-Bands „Blue Babel Hills“ und „Blues Jab“ ein. Vom Klassiker bis zu kaum bekannten Stücken, von Slow bis Fast geben die Protagonisten alles und nehmen alle Gäste auf eine wunderbare Reise mit. Einlass: 19 Uhr | Beginn: 20 Uhr
Café-Spezial: Pasta-Party
30. Januar ab 19:00 Uhr
Jugendraum
Bei unserer Pasta Party wird geschnippelt, gekocht und probiert, was das Zeug hält! Gemeinsam bereiten wir verschiedene Nudel- und Pastagerichte zu – von klassisch bis kreativ. Danach setzen wir uns zusammen an den Tisch und lassen es uns schmecken. Ein entspannter Abend mit guter Stimmung, leckerem Essen und viel Zeit zum Quatschen und Zusammensein.
24. Januar um 18 Uhr
Auenkirche
Der Madiba Chor ist mit Gioachino Rossinis Petite Messe solennelle in der Auenkirche zu Gast. Das Werk erklingt in der kammermusikalischen Fassung für Klavier und Harmonium und lässt Rossinis Messe in klarer, eindrucksvoller Klanggestalt erleben. Das Konzert bildet zugleich eine musikalische Brücke: Wenige Monate später wird die Auenkantorei das Werk selbst in der großen Orchesterfassung aufführen. So wird hörbar, wie unterschiedlich und reizvoll dieses Werk in kammermusikalischer Nähe und später im großen Klang wirken kann.
Aue hautnah
In diesem Abschnitt laden Mandy und Maren Menschen aus der Gemeinde zu einem Interview ein – mal nachdenklich, mal humorvoll, aber immer persönlich.
In diesem Monat haben wir unser Interview mit Arachne und Philip van der Eijk geführt. Die beiden engagieren sich in vielen Bereichen unserer Gemeinde, insbesondere bei den Taizé-Andachten.
Seit wann seid ihr in der Aue?
Seit 2011 sind wir offiziell Mitglieder der Auenkirche, obwohl wir nicht in Wilmersdorf wohnen, also wir haben uns umgemeinden lassen. Wir haben uns bewusst für die Auengemeinde entschieden, nachdem wir im Laufe eines Jahres zahlreiche andere Kirchengemeinden in Berlin besucht und „ausprobiert“ hatten. Was uns in der Auenkirche besonders gut gefiel, war die Qualität des Gemeindelebens, das Niveau der Verkündigung, die Kirchenmusik und die räumliche Ausstattung, mit großem Potenzial für die weitere Entwicklung von Gemeindeaktivitäten.
Wo seid ihr aufgewachsen? Wie kommt es, dass ihr in Berlin gelandet seid?
Philip: Wir stammen beide aus den Niederlanden. Wir haben uns in der Universitätsstadt Leiden kennengelernt, wo wir Altertumswissenschaften studiert haben und wir haben dort nach dem Studium geheiratet. Ich stamme aus einer reformierten Denomination (die „gereformeerde Kerk“, damals einer der beiden größten protestantischen Denominationen in den Niederlanden), Arachne ist gar nicht christlich aufgewachsen und sie hat erst in ihrer Schulzeit zum christlichen Glauben gefunden. Kirchlich geheiratet haben wir in einer ökumenischen Gemeinde, wo Katholiken und Protestanten gemeinsam Gottesdienste (und sogar Eucharistie/Abendmahl) gefeiert haben. 1995 sind wir aus beruflichen Gründen nach Newcastle upon Tyne im Norden von Großbritannien umgezogen, wo wir fünfzehn Jahre gewohnt und gearbeitet haben und Mitglied einer anglikanischen Kirchengemeinde waren. 2010 sind wir dann – auch wieder aus beruflichen Gründen – nach Berlin umgezogen.
Was macht ihr beruflich?
Arachne: Wir arbeiten beide an der Humboldt-Universität. Ich lehre englisches Recht an der Jurafakultät, d.h. Zivil- und Strafrecht, das Rechtssystem und die Rechtsmethode usw. Mein Herz schlägt aber richtig für das englische Strafrecht.
Philip: Ich bin Professor am Institut für klassische Philologie (d.h. griechisch und latein). Meine Forschungsschwerpunkte sind die griechische Philosophie und die Geschichte der Medizin in der Antike. Außerdem bin ich Sprecher des Berliner Antike-Kollegs, einer Partnerschaft aller Berliner wissenschaftlichen Einrichtungen, die sich mit der Antike beschäftigen.
Was heißt Taizé und was unterscheidet die Andacht von einer „Normalen“?
Taizé ist ein Ort in Frankreich (im Burgund), wo in den vierziger Jahren des 20. Jh. unter der Leitung von Frère Roger Schütz eine neue, ökumenische Klosterbewegung entstand, die seitdem enorm gewachsen ist und jedes Jahr von zahlreichen meist Jugendlichen aus vielen Ländern besucht wird. Aber Taizé steht auch für eine weltweit verbreitete Spiritualität, in der Musik und Stille eine zentrale Stellung einnehmen. Denn wer an Taizé denkt, dem kommen sofort die Taizé-Lieder in den Sinn. Kennzeichnend für diese Lieder ist ihre Einfachheit und ihre leise, ruhige und meditative Art. Jedes Lied wird mehrere Male gesungen und variiert, manchmal mit einer Oberstimme und mit wechselnder musikalischer Begleitung. Dadurch entsteht eine besondere Stimmung von gemeinsamer Vertiefung und wachsender Nähe zu Gott.
Aber genauso wichtig wie die Musik ist die Stille: in jeder Andacht gibt es eine Zeit von etwa 5-10 Minuten Stille für Ruhe und Entspannung, Einkehr, persönliches Gebet oder Meditation über einen Bibeltext. Eine Predigt gibt es nicht, nur eine kurze Einführung. Die Besucher:innen können während des Gottesdienstes nach vorne kommen und für sich selbst oder eine andere Person eine Kerze anzünden oder am Ende der Andacht im Altarraum bei der Kreuzikone Platz nehmen.
Ein treuer Besucher unserer Andachten hat sie als „eine Erholung für die Seele“ charakterisiert.
Wie kamt ihr auf die Idee der Taizé-Andachten? Seit wann gibt es diese Andachten in der Aue?
Taizé-Andachten gibt es in vielen Kirchengemeinden, auch in Berlin. In der Aue gab es sie auch schon, als wir hier ankamen. Als aber diejenigen, die sie damals musikalisch gestalteten, nach 8 Jahren damit aufhören wollten, hat die damalige Pfarrerin (Katharina Plehn-Martins), die auch die Andachten geleitet hat, uns gefragt, ob wir daran Interesse hätten, die Begleitung zu übernehmen. Arachne war für das Anleiten des gemeinsamen Singens zuständig, Philip spielte Klavier und Dietmar Stiller Saxophon. Das war 2013. In den ersten Jahren machte Pfarrer Andreas Reichardt noch mit. Seitdem ist das Taizé-Team weitergewachsen, junge und ältere Leute sind dazu gekommen, einige sind wieder weitergezogen, aber trotz mehrerer Wechsel hat es immer einen stabilen Kern gegeben, so dass ein fester Rhythmus am letzten Mittwoch im Monat gewährleistet werden kann. Aktuell besteht die Begleitung aus Andreas Butz auf der Gitarre, Carolin Löcher auf der Flöte, Dietmar Stiller auf dem Saxophon und Philip am Klavier. Es gibt eine Gruppe von sechs Sänger:innen: Katharina Bormuth, Reiner Nowotny, Christian Yonathan, Friedrich Kampmann, Silke Kunow-Koch und Arachne, die auch Oberstimmen singt. Wichtig ist aber die Beteiligung der Gemeinde an dem gemeinsamen Singen: wir feiern einen Gottesdienst, es ist keine Performance.
Die Taizé-Andachten sind echt eine Ergänzung zu den Gottesdiensten am Sonntag und Mittwoch. Die besondere Atmosphäre, die Nähe Gottes, eine andere Musik: es lohnt sich, mal dabei zu sein.
Welches ist euer Lieblings-Taizé-Lied und warum?
Arachne: Die typischen Taizé-Lieder gab es nicht immer: Frère Roger fing an mit 6-strofigen protestantischen Gesängen, die er aus der Schweiz mitgebracht hatte und die in Taizé donnernd gesungen wurden. Aber schon bald kamen unzähliche junge Menschen aus ganz Europa nach Taizé und es gab ein Bedarf an Gesängen, die alle mitsingen können, aus welchem Land auch. Dann wurde einmal ein Kanon von Michael Praetorius, Jubilate Deo, benutzt und daraus hat sich der Sound von Taizé entwickelt. Jubilate Deo ist ein einfaches Lied auf latein, ein jubelnder Gotteslob. Ich finde es noch immer wunderschön wenn die Gemeinde in der Aue diesen Kanon singt. Der Klang schwebt hin und her durch die Kirche, Philip hält den Rhythmus auf dem Klavier, Carolin spielt die Flöte darüber, Dietmar den Saxophon darunter – als ob man schon im Himmel ist!
Bing-Video
Und am Ende der Andacht singen wir als Musikteam zusammen, ohne Instrumente, der Gemeinde den Amrumer Segen zu. In Amrum wurde von einem Unbekannten der Aaronitische Segen aus dem Alten Testament vierstimmig vertont. Ich finde es immer wieder so besonders, dass wir den tausende Jahre alten Segen aus der Bibel der Gemeinde zu singen dürfen!
Philip: mein Lieblingslied ist „Heureux qui s’abandonne à toi o Dieu“, https://www.youtube.com/watch?v=SrTLu4IjdSk
Wir haben es damals in 2018, als wir eine Woche in Taizé zu Besuch waren, zum ersten Male gehört und es hat mich tief berührt. Die Musik ist wunderschön und der Text bringt genau die Spiritualität von Taizé zum Ausdruck: Freude, Einfachheit und Barmherzigkeit.
Was macht ihr in eurer Freizeit - findet mach euch eher in der Natur oder der Großstadt (Oper, Theater etc.)?
Arachne: Auch in unserer Freizeit sind wir beide musikalisch unterwegs. Ich singe im großen Auenchor und im Apollochor der Staatsoper in Berlin, Philip im Auenchor und im Kammerchor der Aue, und er spielt manchmal Orgel in den Gottesdiensten in der Aue.
Unser neuestes Hobby ist es, in die Oper zu gehen.
Freundschaften sind uns ganz wichtig, wir sind gerne mit Freunden zusammen.
Außerdem wandern wir viel durch das schöne Brandenburgische Land. Wir sind auch schon einige Male weit weg gepilgert, u.a. nach Santiago de Compostella und Assisi. Mein Traum ist es, noch mal in den Fußspuren von Jesus zu pilgern und den Weg zu gehen, den er gegangen ist, nach Jerusalem.
8. Habt ihr ein niederländisches Lieblingsessen, welches ihr empfehlen könnt?
Arachne: Die niederländische Küche ist weitgehend unbekannt im Ausland. Das ist eigentlich schade. Wunderbar sind die unendlichen Brotsorten, und natürlich die Käsen. Die führen wir noch immer ein in Deutschland, weil man die hier nicht kaufen kann. Ich meine dann nicht Gouda und Edam, Marken die lange Zeit ungeschützt waren, also wird dieses „Plastic“ überall hergestellt. Aber Tynjetaler, Stompetoren Grand Cru, mmmmm…. herrlich. Für die warmen Mahlzeiten steht Gemüse zentral, es gibt auch Gemüsen wie Postelein, die man in Berlin nur im Bioladen manchmal findet. Und holländischer Butterkuchen oder Apfeltorte sind unübertroffen. Typisch holländisch sind auch die zahllosen Arten von Lakritz, aber wenn man die den Berlinern anbietet, sind die Reaktionen immer auffällig höflich…
Was macht die Aue für euch aus?
Arachne: Wir haben in der Aue viel schöne Kirchenmusik: Winfried Kleindopfs Arbeit ist einfach fantastisch. Auch Freundschaft und Gemeinschaft haben wir in der Aue gefunden. Ich finde es immer wieder toll, dass man im Laufe der Woche die Leute in verschiedenen Konstellationen immer wieder trifft. Ich gehe gerne in die Gottesdienste: ich bin in meiner Arbeit normal für alles zuständig, und kann es enorm genießen, dass eine Pfarrperson am Sonntagmorgen die Verantwortung auf sich genommen hat, einen Gottesdienst zu gestalten. Ein großes Geschenk ist aber auch wieder, daran einmal im Monat als Lektorin mitarbeiten zu dürfen, oder im Auenchor im Gottesdienst mitzusingen. Schön finde ich auch, dass man in der Aue viel Freiheit zur Glaubensgestaltung hat. Wer will, kann eine Gruppe starten. Für mich ist unser Glaube Herzens- und Lebenssache und es ist wunderbar, dass das in der Aue u.a. durch die Taizé-Andachten gestaltet werden kann. Komm auch!
Neujahrsvorsätze oder offen & spontan??
Startest du mit festen Plänen, Zielen und guten Vorsätzen ins neue Jahr – oder lässt du es bewusst offen, schaust, was kommt, und nimmst das neue Jahr gelassen auf dich zukommen?
Der Newsletter Auen & Lilien erscheint monatlich im Auftrag des Gemeindekirchenrates der Auenkirche.
Ausgabe 8, Januar 2026
Redaktion:
Eckhard Röhm, Mandy Krönert, Maren Weiß, Yassin Handke, Florian Pluntke
Fragen und Einsendungen per E-Mail an florian.pluntke@gemeinsam.ekbo.de
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